Wir müssen raus aus der Angststarre

Unsere Welt ist politisch unruhig und ökonomisch extrem unsicher geworden. Eine schlechte Nachricht löst die andere ab, manches wird gewollt oder ungewollt medial so verstärkt, dass die Finanzmärkte nervös reagieren, ohne wirkliche Not Vermögen an den Börsen vernichtet werden.

Die Regierenden der Welt hetzen von einem Gipfel zum anderen, verbringen einen beachtlichen Teil ihrer Zeit im Flugzeug oder Hubschrauber. Wie ein Notarzt fliegen sie von einem Notfall zum anderen, retten Patienten vor dem Schlimmsten, stabilisieren sie und übergeben sie dann den stationären Ärzten und Pflegern in den nationalen Kliniken. Dort werden die Patienten behandelt, aber nicht geheilt.

So geschieht es auch in Politik und Wirtschaft. Man spannt Rettungsschirme, rettet Nationen vor dem Schlimmsten, beseitigt aber nicht die Ursachen. So folgt ein Crash dem anderen. Man hat den Eindruck, als ob es keine Konzepte (geschweige denn Konzeptionen), sondern nur Symptom-Rezepte gibt. Diese Rezepte sind aber dieselben, die uns diese kritischen Geschehnisse eingebrockt oder zumindest nicht verhindert haben:

Wie soll Wachstum produziert werden, wenn gleichzeitig die Grenzen des Wachstums sichtbar, vielleicht schon erreicht sind? Wie lange braucht es noch, bis ins Bewusstsein aller, die Veränderungen bewirken können, eindringt, dass wir es nicht mit einer konjunkturellen Delle zu tun haben, sondern mit dem Beginn einer globalen, grundlegenden Veränderung. Die zudem ihren eigenen Gesetzen folgt, nicht unseren ökonomischen Wünschen!

Eine moderne „Gesetzmäßigkeit“ haben wir in den Jahren der Finanzkrise gelernt: Wer sich besonders daneben benimmt, besonders gierig ist, besonders großen Schaden anrichtet, dem wird am ehesten und stärksten geholfen. To big to fail!

Erinnern Sie sich an den Begriff der „Systembanken“? Das Finanzsystem hat die Folgen seiner Fehler vergesellschaftet, Staatshaushalte und Privatvermögen geplündert statt zu büssen, um sich sofort wieder schamlos an fremden Vermögen zu bedienen. Es werden Gewinne ausgewiesen, denen keinerlei Wertschöpfung zugrunde liegen, reine Luftnummern, die auch wie Luftblasen platzen. Dieses System ist krank, ja irre, und wir können die Probleme nicht lösen, wenn das kranke System nicht verändert wird.

Halten die verantwortlichen Menschen in den Chefetagen die Geschehnisse in Nordafrika und einigen europäischen Ländern wirklich für vernachlässigbare Aktionen einiger ausser Rand und Band geratener Randgruppen? Halten sie es wirklich für ausgeschlossen, dass auch bei uns in Deutschland Leute auf die Strassen gehen, aus purer Wut Dinge zerschlagen, um irgendwie aus ihrer Ohn-Macht herauszufinden und ihrer Wut Macht zu geben? Dass Manager sich vielleicht ihren aufgebrachten „Mitarbeitern“ gegenüber sehen, die ihrer aufgestauten Wut freien Lauf lassen und sich auch an „ihren“ Chefs vergreifen?

Wozu hat die Evolution bzw. Schöpfung uns Menschen ein Großhirn gegeben, wenn wir es nicht dazu nutzen, unsere Zukunft sinnvoll und öko-logisch zu gestalten?

Ökonomie und Ökologie, der scheinbare Gegensatz ist doch nur ein Gegensatz, weil wir uns für die Wirtschaft eigene „Gesetze“ geschaffen haben, die z.T. im krassen Widerspruch zu den Naturgesetzen stehen. Nicht die Begriffe sind Gegensätze, sondern unser Denken und Verhalten.

Ein Wortspiel zur Verdeutlichung: Was ist für Sie Psychologie, Soziologie, Biologie ...?

Dann kann Ökologie nicht Umweltschutz o.ä. bedeuten, sondern Öko-Logie ist die Lehre von der Logik des Lebens und Überlebens im Ökosystem, in der Natur. Ökonomie ist nichts außerhalb der Natur, sondern eine Art des Verhaltens und Entscheidens im Ökosystem Natur. Dieses Ökosystem Natur kommt seit Jahrmillionen mit derselben Masse aus, produziert dennoch Jahr für Jahr Milliarden Biomasse, recycelt sie, lässt neue Arten entstehen und andere sich so verändern, dass sie unter veränderten Bedingungen (über)leben können.

Warum sollte uns das nicht auch gelingen, wo wir doch die Krone der Schöpfung sein wollen? Es kann nicht gelingen, wenn wir Probleme mit denselben Methoden und Techniken lösen wollen, die sie verursacht, zumindest nicht verhindert haben. Es wird nicht gelingen, so lang wir an Paradigmen, Leitgedanken und Ideen festhalten, die hinter diesen problem-auslösenden Methoden und Verfahren stecken. So lange wir die „Gesetze“ der BWL und „modernen“ Managementlehre befolgen, obwohl sie im Gegensatz zu Naturgesetzen stehen.

Was gerade in Wirtschaft und Politik geschieht, ist nicht unausweichliches Schicksal, sondern die bio-logische Folge öko-feindlicher Paradigmen, Methoden und Verfahren. Wir brauchen Menschen,

Wir sollten nicht gegen die Natur handeln, sondern uns ein Beispiel an ihr nehmen. Techniker und Ingenieure tun das schon lange, warum weigern sich Politiker, Manager und Wirtschaftführer - auch Berater und Hochschullehrer - so beharrlich, das auch zu tun?

Es gibt genügend Wissenschaftler, Berater und Unternehmer, die bereits anders denken, entscheiden und handeln. Die aber weder Gehör noch den erforderlichen Raum in den Medien bekommen.

Es gibt Staaten (z.B. Irland), die aus ihren Fehlern gelernt und binnen weniger Jahre ihre Ökonomie und Ökologie grundlegend verbessert haben. Warum nehmen wir sie nicht als Vorbilder anstelle der Staaten, die immer noch ihre Schulden mehren und immer weiter in die Misere steuern?

Es gibt Gemeinden und Organisationen, die ihre Versorgungs- und Entsorgungsprobleme in die Hand genommen und gelöst haben, die unterwegs sind zur Unabhängigkeit von Großversorgern und überholten Paradigmen („der Strom kommt aus der Steckdose!“). Warum nehmen wir die nicht als Vorbilder, anstatt sie als Ökospinner und Randerscheinungen abzutun?

Wir brauchen eben nicht zig-tausende Kilometer neue Überlandleitungen, sondern autarke regionale Systeme, die miteinander vernetzt, aber so fehlerfreundlich organisiert werden, dass sie sich nicht gegenseitig in Katastrophen reißen können. Wir sollten Müll und Gefahrstoffe nicht über hunderte Kilometer transportieren, sondern Wirtschaft und Gesellschaft nach dem Grundprinzip gestalten, dass Probleme dort gelöst werden, wo sie verursacht werden.

Im StrategieCentrum Schwarzwald-Bodensee werden wir uns in den kommenden Monaten verstärkt diesen Fragen widmen, diskutieren und nach Modellen suchen bzw. Modelle erarbeiten, mit denen wir als Individuen und Gemeinschaften Wege aus den Krisen finden.

Wie wir aus der Angststarre herauskommen und unsere Zukunft gestalten können!