2006 - das Jahr eines neuen Management-Verständnisses?

Kommt jetzt der Paradigmenwechsel in der Wirtschaft?

Die Managementlehre entdeckt die Natur. Prof. Dr. Fredmund Malik spricht in „seminar aktuell“, Ausgabe 1/2006, von Bionik im Management, angelehnt an die seit vielen Jahren praktizierte Orientierung technischer Entwicklungen an den Vorbildern in der Natur, Pflanzen und Tieren.

„Die traditionelle BWL mit ihren aktuellen Leitideen verstößt gegen Naturgesetze“, sagt Professor André Bapst (Lörrach und St.Gallen). Und: „Wer gegen von Menschen geschaffene Gesetze/Vorschriften verstößt, wird nur bestraft, wenn er auch erwischt wird. Wer gegen Naturgesetze verstößt, wird unweigerlich bestraft, vielleicht mit zeitlicher Verzögerung, aber dennoch unweigerlich.“

Frederic Vester und andere haben schon viele Jahre versucht, den Managern und Politikern klar zu machen, dass wir deshalb in vielen Bereichen vor schier unlösbaren Problemen stehen, weil die gängigen Management-Meinungen und Paradigmen gegen die Logik der Natur stehen. Und damit längerfristig zum Scheitern führen müssen.

Die Natur ist das größte, komplexeste und lebensfähigste System, das wir haben und kennen. Seit Milliarden von Jahren erhält sie die Lebensfähigkeit unseres Planeten und gewährt unzählbar vielen Pflanzen- und Tierarten seit Millionen Jahren lebensfähige Bedingungen. Die Naturwissenschaft spricht von biologischen Systemen und Biologie.

Biologie = BioLogik, die Lehre von der Logik der Natur!

Lebende Organismen, biologische Systeme und Geschehnisse (Prozesse) folgen ihrer eigenen Logik - der BioLogik. Ihre Prozesse sind bioLogisch.

Getreu unserem Slogan „Die Logik des Gelingens“ haben wir in den vergangenen Jahren mehrfach aufgezeigt, dass die rein rationale Logik der BWL vielen Unternehmen mehr geschadet als genützt hat.

Heerscharen von Controllern haben die Unternehmen mit einem feinen Netz der Datenerfassung und –Verarbeitung überzogen. Sie liefern der Unternehmensleitung alle erdenklichen Daten, und doch haben Unternehmer und Manager den Überblick verloren. Zitat eines Vorstandsvorsitzenden: „Ich weiß inzwischen, was jeder Luftzug im Unternehmen kostet, aber im Griff haben wir nichts, gar nichts!“
Die Daten- und Detailverliebtheit der Controller, unterstützt durch die Kurzsichtigkeit der Analysten und Rankingspezialisten, raubt den Unternehmern den erforderlichen Überblick, um das Unternehmen dauerhaft erfolgreich zu gestalten. Und zwar mit Perspektiven für die Zukunft, nicht nur für die Gegenwart. Manches Unternehmen, das heute von Analysten gelobt wird, gerät schon morgen in die existenzielle Krise, weil durch kurzfristiges Shareholder-Value-Handeln die Ressourcen hemmungslos ausgebeutet werden, und weil man den Optionen für die weitere Zukunft keinerlei Beachtung schenkt.
Es gibt mehrere Arten von Logik: RatioLogik, PsychoLogik, SozioLogik, MethoLogik. Die BioLogik gehört nicht nur dazu, sondern sie ist vielleicht sogar die überlegene, die Basis-Logik allen Lebens? Wenn wir das überlegene Komplexitäts-Management der Natur akzeptieren würden, könnten wir es auch erforschen und - wie in der Bionik - die darin steckende BioLogik auf die Probleme und Themen des Managements anwenden. Die Diskussion beginnt jetzt, sie wird die Medien erfassen und die Kongresse bestimmen. Die Beachtung der BioLogik und der Gesetze der Natur, auch der Art, wie Natur sich organisiert, bietet uns eine neue, großartige Chance, bestehende Probleme der Wirtschaft und Politik zu lösen, unser wirtschaftliches und politisches Handeln wieder bzw. besser einzufügen in die Prozesse des überlegenen Systems „Natur“. Logisch = bioLogisch!

Und wir müssen einige unserer gängigen Paradigmen /Leitideen/ Mindmaps über Bord werfen und ersetzen durch solche, die weniger oder besser gar nicht gegen Naturgesetze verstoßen.

Beispiele für Naturgesetze, gegen die zeitgemäßes Management und BWL verstoßen:

  • In der Natur gelingt Überleben und Gewinnen durch Differenzierung und Konzentration, wir praktizieren heute Gleichmacherei, Expansion, Diversifikation und Globalisierung.
  • Vielfalt fördert die Fähigkeit eines natürlichen Systems, mit Bedrohungen und Krisen /Krankheiten fertig zu werden. In unserer Wirtschaft herrscht Einfalt. Die Prozessorganisatoren schaffen eindeutige, stringente Prozesse („nur 1 Prozess!“), ganze Branchen fahren Imitationsstrategien: Was der eine macht, macht der andere nach. So führt ein Fehler bzw. die Krise eines großen Unternehmens gleich zur Krise einer ganzen Branche (Automobil, Luftfahrt, Banken, Versicherungen, Tourismus, Bau-Immobilien, Finanzdienstleistungen ....)
  • Für Wirtschaft und Politik ist „Wachstum“ ein Muss. Ohne Wachstum geht nichts. Gemeint ist Mengenwachstum, in Prozent gemessen. So werden große Unternehmen immer größer, unbeweglicher, ziehen die Wettbewerbsenergie auf sich. Kommt ein solches Unternehmen in die Krise, geraten Staaten mit in den Strudel, wird die Politik zum unsinnigen Eingreifen gezwungen (AEG 1980, Hoch-Tief, Stahl-Kohle, Automobilbranche).

    Alle planen Wachstum, niemand weiß, woher es kommen soll. Alle fordern neue Arbeitsplätze, gleichzeitig vernichten wir durch Elektronik, geilen Geiz und Verlagerungen ins Ausland Arbeitsplätze. Auch wissen wir jetzt, dass Wachstum des Brutto-Inlands-Produkts keinesfalls zwangsläufig Arbeitsplätze schafft. Woher also soll das Wachstum kommen? Warum orientieren wir uns bei der Unternehmensführung nicht mehr an der Natur, die stets dann für Teilung und neue Teilarten sorgt, wenn eine Art durch Mengenwachstum außer Kontrolle zu geraten droht! Kleine, flexible, fehlerfreundlich miteinander vernetzte Einheiten wären besser als die monströsen Großunternehmen, die kein Mensch mehr wirklich steuern und beherrschen kann.

Die Methoden und Instrumente für biologisches Organisieren und Managen haben wir, nichts muss erfunden werden.
Aber nutzen müssen wir sie schon:

  • Ganzheitliches vernetztes Denken, um Komplexität besser zu beherrschen.
  • Simulation in vernetzten Modellen, bevor wir Entscheidungen treffen und kurzsichtig handeln.
  • Muster und Handlungslogiken erforschen und erkennen, statt immer mehr Details zu suchen.
  • weniger Informationen, dafür eine bessere Auswahl treffen, welche Informationen und Daten wichtig sind, um das System „Unternehmen“ besser zu verstehen und besser in das Umfeld einzupassen.
Die Erhaltung der Art hat in der Natur Vorrang vor der Erhaltung des Individuums. In der BWL orientieren wir uns nur noch am Erhalt des einzelnen Unternehmens, schädigen sogar bewusst die Gesamtheit. Beispiel? Bitte: Unternehmen, die bereits respektable Gewinne erwirtschaften, entlassen hunderte / tausende von Arbeitskräften, um den Shareholder Value zu steigern. Die Arbeitskräfte, die keine Arbeit mehr finden, fallen dem Staat, also der Gemeinschaft zur Last. Der Staat muss ihren Mindestlebensstandard finanzieren. Genau der Staat, dem die Unternehmen und Unternehmer jedoch die dazu dringend notwendigen Steuern vorenthalten, indem sie sie ins Ausland verschieben oder auf andere legale Weise dem Fiskus vorenthalten.

Das ist sie, die Logik des Misslingens der gängigen Betriebswirtschaft, der herrschenden Paradigmen unseres Managements.

Wir sollten sie ersetzen durch eine Logik des Gelingens, beispielsweise durch die Orientierung des Managements an der Logik der Natur.

Gunter Steidinger Unternehmensberatung / StrategieCentrum Schwarzwald-Bodensee

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